Über meine Arbeit

Es ist immer schwer, über die eigene Kunst zu sprechen, dennoch möchte ich versuchen, dem Betrachter etwas über meine Arbeit zu erzählen.

Die Ausgangsposition und die Herangehensweise
Wenn ich vor einer leeren Leinwand stehe, habe ich noch kein Bildmotiv im Kopf, es gibt keinerlei Planung oder Vorentwurf. Nur die Atmosphäre, die mich umgibt oder die ich mir schaffe - beispielsweise durch Gedanken oder durch Musik - sind meine Quelle, sind sozusagen ”mein gutes Licht“ und stehen am Anfang von jedem neuen Bild. Aus dieser Stimmung heraus wähle ich die Farbe, mit der ich anfangen möchte. Die leere Leinwand liegt auf dem Boden, für mich der beste Platz um sie von allen Seiten ”zu begehen“, der Schwung lässt sich auf diese Weise besser ”ausleben“.

Die Maltechnik
Farbrollen, Lappen, grobe Pinsel und Pappspachteln sind meine Malwerkzeuge, meine Malmittel hauptsächlich Tusche- und Acrylfarben, gelegentlich Lack. Ich vermische verschiedene Techniken, überlagere mehrere Farbschichten, experimentiere mit unterschiedlichen Trocknungsstufen der Farbmaterialien (z.B. Nass-in-Nass-Technik mit Acryl und Tusche), bringe Farbe auf und kratze oder frottiere sie wieder ab. Der daraus entstandene Hintergrund bietet mir vielfältige Möglichkeiten das Bild weiter aufzubauen.

Das Bildmotiv
Im Laufe meiner Malpraxis habe ich ein sicheres Gespür für harmonische Farbstellungen entwickelt, oft verwende ich nur wenige Farbtöne, bilde Kontraste durch hell und dunkel. Das Bildmotiv entsteht während des Malaktes, ich habe gelernt meiner Intuition zu vertrauen. Ich erkenne im Prozess Formen oder erahne bereits das Gesamtbild, welches ich teilweise durch grafische Elemente - gern die abstrahierte menschliche Figur oder einfache Linien - akzentuiere. Ich durchbreche damit flächige Formen und gebe dem Bild somit eine gewisse Tiefe und Räumlichkeit.

Meine Sicht
Meine Bilder lassen viel kreativen Freiraum in der Interpretation. Für mich ist es deshalb immer wieder spannend zu erfahren, was der Betrachter in meinen Bildern sieht, was er erkennt. Es geht mir nicht darum, das eine Verbindung zum Bildtitel gesucht wird, denn der Titel ist nur für mich wichtig, meine persönliche Aussage. Ich freue mich wenn sich der Betrachter auf das Bild einlässt, es auf sich wirken lässt und seine Auslegungen findet, ich möchte Neugier wecken. Meine Aussage geht ja dadurch nicht verloren, denn diese schwingt sowieso in der Gesamtgrundstimmung der Farbe mit. Ich möchte versuchen Stimmungen zu vermitteln und es ist auffallend, dass meine Bilder auf die meisten der Betrachter positiv wirken, sie strahlen eine angenehme Atmosphäre auf sie aus. Das stimmt mich zufrieden, denn ”mein gutes Licht“ der Ausgangsposition leuchtet im fertigen Bild.

Skulptur
Eine völlig andere Ausdrucksform, die ich 2007 für mich entdeckt habe, ist das plastische Gestalten mit Stahl.
Für mich ergibt sich in dem Arbeitsprozess mit Technik “Schweißen” und dem Material “Stahl” ein völlig neuer Ansatz meine Kunst zu gestalten. Während ich bei meiner Malerei zum Arbeiten eine Art “musische Atmosphäre” benötige, ist hier die Ausgangssituation eine Andere, hier ist es laut, dreckig und körperlich anstrengend. Die Spannung liegt in dem Ausgangsmaterial, Schrott (Reste der industriellen Fertigung), dem verbindenden Schweißen und dem konstruktiven Arbeitsprozess an sich. Die Formensprache, die ich hierbei bevorzuge, ist abstrakt-figurativ. “Aus dem harten, kompakten, kalten, schweren und - wenn Sie so wollen - männlichen Material Stahl” entstehen interessante Skulpturen, die sich u.a. “auszeichnen durch transparente Leichtigkeit” und den Attributen “elegant, stolz und apart”.
Heike Cybulski, Borkwalde 2011
Heike Cybulski


 
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